Drei Stunden östlich der Oder

4. August 2009

Die Sonne steht als fahlgelber Kreis, ganz ausgelaugt, im Zenit des Nebelhimmels; diese Nebel, sie wallen auf und nieder, quellen hervor wie frischverschossenes Pulver. In allen Richtungen flaches Land. Kartoffelfeuerzucken, Kiefernwälder, die Fahrwege morastig. Irgendwo dazwischen schmächtige Dörfer mit dumpf nachhallenden Namen, geduckte Backsteinbauten, schiefe Lattenzäune, östliche, preußische Provinz.

Über allem Schweigen, unerhörte Stille, ein Vakuum. Bis im Hintergrund etwas metallisch kreischt und knirscht, wahrscheinlich die ungeölten Laufwerksketten eines T34 der Stoßarmee des General Schukow.

Plötzlich also der Gestank verbrannten Gummis, schwarze Qualmkeile spalten die weißen Wände, zerrissene Nebelschwaden, gesplitterte Telegraphenmasten, ein Krad mit Seitenwagen zeichnet sich ab. Umgeworfen im Straßengraben, die Räder drehen sich noch. Unter dem verbeulten Metallhaufen zittert ein feldgrauer Arm. Schüsse krachen und dann flutet es auch schon heran, eine wahre Brandung, das Brüllen der Rotarmisten: Urä! Urä! Erdbraune Schemen setzen über den Straßengraben hinweg und tauchen wieder ein ins Nichts und sind verschluckt.

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