In der Regionalbahn

6. August 2009

Der Waggon hatte sich mit Fahrgästen gefüllt, die meisten hatten einen Tagesrucksack auf dem Schoß, hinter der Abteiltür stritt der Schaffner mit einem Mountainbikebesitzer über die ordnungsgemäße Aufbewahrung von Fahrrädern im Radfahrerabteil, das sich an ganz anderer Stelle im Zug befand. Wenn die Bahn hielt, lagen vor dem Fenstern nun diese seltsam verwahrlost aussehenden kleinen Bahnhöfe, zwischen deren Abstellgleisen Büsche wucherten. Mit Mauern und Geländern, die bräunlich angelaufen waren.

Dann weitete sich die Landschaft, Rebhänge, immer mehr Rebhänge. Brezelkauend deutete er auf eine ferne mit Bäumen bestandene Hügelkuppe zwischen den Weinbergen.

Dort oben, am Goethestein habe Goethe einmal gestanden und heruntergeblickt.

Sie nickte andächtig.

Goethe, ach so.

Hinter Eltville fuhren sie durch ein Rebenmeer, grüne Wogen, die anstiegen bis zum bewaldeten Saum des Rheingaugebirges. So stand es auf tatsächlich der Karte, die er auf seinen Knien halb ausgebreitet hielt: Gebirge. Er fragte sie, ob die Gipfel dort wohl sehr schroff seien? Was sie meine? Vielleicht gar Semialpin? Er begann, auf dem letzten Rest Bretzel herumzulutschen.

Ob er immer noch von den bewaldeten Hügeln spreche, wollte sie wissen. Und er solle nicht immer alles so wortwörtlich in die Realität übertragen, was er gedruckt vorfinde.

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