Gottfried

11. August 2009

Der Junge mit den hellgrauen Augen mochte die Bilder langanhaltender Untergänge. Statischer Untergänge, die man sich in Ruhe von allen Seiten besehen konnte. Er ging in der Abenddämmerung spazieren, ging am Schilf entlang, roch das Wasser, setzte sich ins feuchte Gras und hielt erregt den Atem an. Land der Wendenkreuzzüge, vergessene Massaker am Rand eines Entenpfuhles, in blanken Halsstümpfen, das Glitzern der kontinentalen Sonne. Das also nannte man: die Geschichte. Gottfried war immer der letzte der Geschlagenen, der Überlebende, in seinen kindlichen Schlachtenbildern. Ein Versprengter. Besudelt die Felle, schartiges Schwert, voller Dellen die Rüstung. Verführerische Agonie des Rückzugs bis die Frösche aufhörten zu quaken, weil die Mutter herüberrief. Meist gab es Pflaumenmusbrote zum Abendessen.

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