In der Küche

7. September 2009

Sie erhob sich und stellte eine Glasschüssel auf das große Holzbrett, das auf der Arbeitsfläche lag. Sie atmete durch.

„Ich hab dir das schon tausendmal gesagt, ich koche nach Gefühl.“

Sie griff nach der Gurke, und begann sie zu schälen. Er nickte eifrig.

„Aber bei dir klappt das und bei mir nicht. Also wenn ich anfange nach Gefühl zu kochen…“

„Tja“, sie betrachtete für eine Sekunde wie abschätzend die sich vom Dunkelgrünen ins Hellgrüne am anderen Ende verlierende Gurke in ihrer Hand.

„Es muß doch einen Trick geben, du mußt dich doch an gewissen Richtlinien orientieren? Ich meine, zum Beispiel, wie lange muß das denn jetzt noch köcheln? So ungefähr?“

„Weiß ich nicht, irgendwann ist es halt fertig.“

„Aber der Lauch darf doch nur ganz kurz in die Hitze, das hast du mir selbst einmal gesagt, wegen den Vitaminen.“

Er ließ die Kante des Glases an seiner Unterlippe entlangrollen und fixierte erneut den rumorenden Bräter auf dem Herd.

„Mit Gas ist das Kochen wirklich was anderes, als mit Elektro, nicht? Eigentlich braucht man schon einen Gasherd?“

Sie sah ihn kurz an.

„Es nervt.“

„Also, ich meine ja nur …“

Sie begann die Gurke in die Schüssel zu reiben und sagte ohne ihn noch einmal anzusehen: „Ehrlich, es nervt.“

Er zuckte mit den Schultern und nahm einen Schluck Wasser und ließ es von einer Backenseite in die andere laufen und betrachtete die Spülflecken auf dem Glas.

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