Reichssender Teheran

6. Februar 2010

In dieser vernetzten Welt der globalen Kommunikation gibt es vergessene Winkel – altfränkisch möchte man sie wahrhaft nennen -, in denen die Zeit stillsteht. Der Duft eines vergangenen Jahrhunderts entströmt ihnen authentisch, konserviert wie in einem Einmachglas. Wäre man Kulturanthropologe oder gar Ethnologe und auf der Suche nach einem Magisterthema, man könnte wohl jauchzen vor Glück. Unverfälschtes Brauchtum, von Jahrzehnten der Zivilisierung verschont, Autochthone, die noch ganz bei sich selber sind. Hier können sie sich ganz zwanglos äußern, hier gewähren sie Einblicke in tiefste unberührte Schichten. Hier, beim Hörerstammtisch der Deutschen Welle des Iranischen Staatsrundfunks:

Bismillah-ir-rahman-ir-rahim

Am heutigen Hörerstammtisch wird es keinem langweilig werden. […]

Die Ablichtung eines Artikels über das Für und Wider der Strafbarkeit revisionistischer Äußerungen im Zusammenhang mit dem Phänomen „Holocaust“, der in dem vom Deutschen Rechtsschutzkreis herausgegebenen Mitteilungsblatt „Recht und Justiz“ Nr. 1/2009 erschienen ist, legt Dieter Nagel aus Kiel seinem Brief an Radio Teheran bei. […]

„Dresden im Schnee“ – so heißt eine Gemäldereproduktion von der Dresdener Morgenpost, die sich Peter Leder für seinen Gruß an Radio Teheran ausgesucht hat.

„Liebe Freunde“, steht darauf,

ich möchte all Euren Menschen in Zukunft alles Gute wünschen. Haltet durch gegen die Anfeindungen der westlichen Welt und die, die keinen Frieden wollen, gegen Lügen und Diskriminierungen!

Wir sind dafür, daß Euer stolzes Volk in Glück und Gesundheit leben kann.

Euer Peter,

ein Freund derer, die überwacht und diskriminiert werden,

ein Freund derer, die gegen Bevormundung auftreten, und:

ein Freund der Länder, die der Welt Geschichte gegeben haben.

Alles Schöne und Frieden für Iran! […]

Eine Vase mit bunten Blumen aus dem Schwabenland wurde uns dann noch von Martina Pohl auf den Tisch gestellt, und dazwischen tollen zwei Meerschweinchen aus Grafing herum – das sind Leo und seine neue Leonore, die Lieblinge von unserem oberbayrischen Hörerfreund Werner Schubert. […]

Gespannt sind wir auf das neue „Jahrbuch für das Erzgebirge“, das unterwegs nach Teheran sein soll. […]

Wer in diesem Winkel Deutschlands an der tschechischen Grenze zu Hause ist, der ist stolz auf seine Heimat, stolz auf die Traditionen und stolz auf die Vielfalt der kunsthandwerklichen Produkte, die man hier schon seit Hunderten von Jahren in Privatarbeit, kleinen und größeren Betrieben herstellt und von deren Verkauf – besonders anläßlich der Erzgebirgsweihnacht – so manch ein kleiner und größerer lokaler Betrieb leben muß. Er möchte, daß sie beachtet werden, das ist doch verständlich! Schließlich sind sie ein Stück der unverwechselbaren, aber leider immer mehr in Vergessenheit geratenden deutschen Identität. […]

Bei den zahlreichen Posteingängen darf ich nicht die Mossbergs aus Schweden vergessen, sonst ist in Nordgermanien gleich wieder der Teufel los… […]

Und nun noch einmal tief Luft geholt, denn jetzt komme ich zu einem Bücherwurm und einem Berg von Büchern, den er vor „Uns und unseren Hörern“ auftürmt: Bücher über Atlantis, das Bermudadreieck, den Tag, an dem die Götter starben und die Geschichte eines Zauberers. […]

Allah wird immer und ewig sein, denn seine drei Worte ‚Es werde Licht‘ haben dieses Universum aus dem Nichts erschaffen und werden es auch zu Nichts verbrennen lassen.

Nun können wir auch begreifen, wie klein wir alle sind, aber auch, von welcher Güte und Liebe wir profitieren.

Natürlich – wir werden bei unseren Forschungen immer nur im Vorhof Allahs enden und nie die ganze Erkenntnis erreichen. Selbst wenn, dann könnten wir sie nicht verstehen und deuten.

Euer Freund in Rechtsupweg,

Wilfried Hofmann. […]

Die Zeit drängt; wir müssen auseinander gehen. So überlasse ich das Mikrophon den Kollegen und sagen ganz schnell noch:

Ade.


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Eine Antwort to “Reichssender Teheran”

  1. […] März 2010 — Oliver M. Piecha Das deutsche Programm des iranischen Staatsrundfunks (“Reichssender Teheran“) gibt sich gerne unfreiwillig schrecklich komisch und bietet immer wieder interessanten […]

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