Teheraner Show

12. September 2012

Aus der Jungle World 36/2012

Der Gipfel der Blockfreien geriet für das iranische Regime zum Debakel.

Das 16. Treffen der Blockfreienbewegung in Teheran war eine teure Show, die sich das von den Sanktionen mittlerweile heftig gebeutelte iranische Regime als große Propagandasause vorgestellt hatte: Die »Islamische Republik Iran« (IRI), an die über zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Kriegs der Vorsitz der Blockfreien übergeht, wollte der ganzen Welt, insbesondere aber den Imperialisten, beweisen, dass sie gar nicht international isoliert sei, und sicherlich auch ein wenig ihre weltpolitische Macht demonstrieren.

Nachdem der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sein Erscheinen zugesagt hatte und sich abzeichnete, dass sogar der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi nach Teheran kommen würde – eine Sensation, denn die diplomatischen Beziehungen waren nach dem Sturz des Schahs 1979 abgebrochen worden –, durfte die zerstrittene iranische Führung einen politischen Triumph erwarten.

Das Gegenteil kam dabei heraus. Ban Ki-moon erklärte der versteinert dasitzenden iranischen Führung, sie solle sich bei Fragen der Atompolitik an Vereinbarungen halten, und den Holocaust zu leugnen, das sei untragbar. Der Auftritt des Ägypters Mursi bei seinem demonstrativ kurzen Abstecher nach Teheran geriet vollends zum Debakel für die Gastgeber: Mursi forderte Unterstützung für den Aufstand in Syrien, verband das Ganze mit einer Reverenz an die Palästinenser und sprach dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, dem Verbündeten des Iran, jede Legitimation ab. Die syrische Delegation verließ empört den Raum. Die Iraner allerdings konnten ihre eigene Veranstaltung schlecht boykottieren. So musste die Propagandaabteilung ran, sie lieferte bizarr klingende kleine Geschichten, um das Propagandawerk zu retten. Da wurde in einer Übersetzung der Rede Mursis im iranischen Fernsehen aus Syrien plötzlich Bahrain – und schon lagen seine Äußerungen wieder ganz auf der Linie des Teheraner Regimes. Was die iranischen Fernsehzuschauer davon halten, dass ihre Regierung sie offensichtlich für dumm verkauft, ist eine andere Frage. Propagandistischen Zwecken diente auch die beiläufige Meldung iranischer Presseagenturen, Ban Ki-moon habe den »Revolutionsführer« Ali Khamenei bei ihrem gemeinsamen Treffen »Führer der islamischen Welt« genannt, was Ban Ki-moons Sprecher später dementierte. Man kennt nun jedenfalls den Wunschtraum des großen Revolutionsführers, er möchte gerne der allergrößte Revolutionsführer werden. Diese Kluft zwischen Allmachtsphantasie und Realität de­mons­trierte auch der internationale Propagandasender des Regimes, Press TV, mit seiner etwas ungenauen Meldung, Präsident Mahmoud Ahmadinejad und Mursi hätten ihre beiden Länder als »strategische Alliierte« bezeichnet; es war nur Ahmadinejad, der davon gesprochen hatte.

Für Nostalgiker bot der Rest der Teheraner Show aber auch einige Höhepunkte, etwa als der Revolutionsführer dem »Präsidenten der Obersten Volksversammlung Nordkoreas«, Kim Yong-nam, versicherte: »Die IRI und Nordkorea haben gemeinsame Feinde, denn die imperialistischen Mächte können unabhängige Staaten nicht aushalten.« Der wegen Kriegsverbrechen gesuchte sudanesische Präsident Omar al-Bashir durfte am zweiten Tag als Sitzungspräsident fungieren, und Zimbabwes Präsident Robert Mugabe und der Nordkoreaner sollen auch mal herzlich die Hände geschüttelt haben.

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