Die Lieblingsfeinde

17. Februar 2015

Aus der Jungle World No.26/ 2014

Über das Verhältnis von Bashar al-Assad und Isis

Die Jihadisten von Isis mit ihrem irren medienwirksamen Auftreten sehen genauso aus, wie das Regime in Damaskus die Aufständischen in Syrien von Anfang an beschrieben hat – obwohl es im ersten Jahr der Kämpfe überhaupt noch keine Jihadisten in Syrien gab. Aber genau das war das Problem des Regimes. Man brauchte so etwas wie Isis, um darauf deuten zu können und zu sagen: Seht ihr, so sind die alle. Die Jihadisten im allgemeinen und Isis speziell haben den Kampf gegen das Assad-Regime international diskreditiert und die Opposition weiter gespalten. Und sie sind das perfekte Mittel, um den Krieg in Syrien, wenn er auch für Assad nicht zu gewinnen ist, dann eben auszuweiten und in unabsehbare Länge zu ziehen.

Bereits um das erste Auftauchen der Jihadisten in Syrien ranken sich bis heute viele Gerüchte. Vor Isis war es der al-Qaida-Ableger Jabal al-Nusra – nun mit Isis als brüderliches Konkurrenz­unternehmen tödlich verfeindet –, der 2012 gleichsam über Nacht mit Bombenanschlägen in Damaskus in Erscheinung trat. Das kam der Propaganda des Regimes damals sehr entgegen.

Man sollte nicht davon ausgehen, dass das Assad-Regime die Jihadisten erfunden hat oder sie gar kontrollieren würde, aber man kennt sich eben schon lange. Die Verbindungen der syrischen Geheimdienste zu jihadistischen Organisationen sind notorisch: Nachschub und Ausbildung der sunnitischen Kämpfer gegen die US-Army im Irak in den Jahren nach 2003 liefen über Syrien. Das syrische Regime war schließlich immer sehr vielseitig: Als Hauptverbündeter des Iran und gleichsam offizieller Todfeind Israels kooperierte es mit der Hizbollah und bot über Jahrzehnte einen sicheren Heimathafen für alle möglichen nahöstlichen Terrororganisationen. Dennoch wurde die Diktatur der Assads vom Westen umworben, sie galt und gilt seinen vielen westlichen Bewunderern als »säkular«, auch wenn sie in ihrem Überlebenskampf sofort auf die religiöse Mobilisierung setzte. Auch der Umgang des syrischen Regimes mit den Jihadisten ist von dieser bemerkenswerten Flexibilität gekennzeichnet. Man hat sie in ihrem Kampf gegen die USA unterstützt, und als es denen etwas zu viel wurde und der Iran das machtpolitische Patronat über die schiitische Regierung in Bagdad übernahm, hat man sie in Syrien massenhaft inhaftiert. Nur um zu Beginn des Aufstandes 2011 mehrere hundert von ihnen sofort wieder freizulassen. Und das waren eben jene Kader, die Isis aufgebaut haben. Assad weiß, was er an seinen Lieblingsfeinden hat.

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