WELT, 26.2.2014

(zusammen mit Hannah Wettig)

Lange galt die Genitalverstümmelung von Mädchen als Brauch in Afrika. Doch auch muslimische Frauen – von Oman bis Malaysia – müssen sich dieser Tortur unterziehen, wie eine Studie zeigt

Wenn man zu viel wegschneidet, mag die Frau keinen Sex mehr”, erläutert Doktor Mazouka. Die Beschneiderin ist zur semi-staatlichen Frauenvereinigung in der omanischen Provinzhauptstadt Salalah gekommen, um zu erläutern, wie und warum sie neugeborenen Mädchen die Klitoris wegschneidet. Lässig spielt sie mit ihrem Autoschlüssel. An den Fingern trägt sie schwere Ringe. Eine ärztliche Ausbildung hat sie nicht. Früher hat sie mal als Krankenhausgehilfin gearbeitet – daher nennt man sie hier Doktor. Heute beschneidet sie bis zu sieben Mädchen täglich. 15 Omanische Riyal (30 Euro) kassiert sie pro Eingriff, sagt sie.

Giftiges Selfie

13. Juni 2014

Aus der Jungle World No.24/ 2014

In Syrien wurde Bashar al-Assad wiedergewählt. Derweil geht der Krieg weiter.

Überraschend ist das Ergebnis nicht gerade: Bashar al-Assad ist mit überwältigender Mehrheit als syrischer Präsident bestätigt worden. Er hatte dabei erstmalig zwei »Gegenkandidaten«. Die mussten auch ein paar Prozent Wählerstimmen abbekommen, sonst wäre es ja keine echte Wahl gewesen. Also bekam Assad nur 88 Prozent der Stimmen statt wie beim letzten Mal 95 Prozent. Dass die Wahl am 3. Juni ordnungsgemäß abgelaufen ist, haben übrigens »internationale Beobachter« bestätigt. Auch das überraschte nicht sehr, da die meisten von ihnen aus Russland und dem Iran kamen – aber auch Nordkorea hatte Experten geschickt. Gewählt werden konnte natürlich nur in den Gebieten, die noch unter Regierungskontrolle stehen, und der ganze Wahlprozess war noch etwas übungsbedürftig: Da meldeten etwa ausländische Journalisten aus der syrischen Botschaft in Beirut, dass sie eigentlich auch hätten wählen können, weil sich niemand die Mühe machte, Wahllisten zu überprüfen.

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Assads Milizen

13. Juni 2014

Aus der Jungle World No.16/ 2014

Im syrischen Bürgerkrieg stützt sich das Assad-Regime immer mehr auf paramilitärische Milizen, die zum Teil vom Iran ausgebildet werden.

Für die Aufständischen in Syrien war es nach herben Rückschlägen ein symbolträchtiger Erfolg: Ihre überraschende Offensive in das Stammland der Assads, die Provinz Lattakia im Norden Syriens, brachte sie zum ersten Mal bis zur Küste des Mittelmeers. Ein Teil der Rebellengruppen benannte die Offensive blumig-traditionell nach den »Müttern der Märtyrer« – einen anderen Namen suchte sich die an dem Vorstoß beteiligte jihadistische al-Nusra-Front aus: »Anfal«. Das ist gewissermaßen auch sehr traditionell, Anfal bezieht sich auf eine Koransure und bedeutet Beute. So nannte Sadddam Hussein seine Vernichtungsfeldzüge gegen die Kurden Ende der achtziger Jahre. Dass die Namenswahl der Jihadisten die in Lattakia ansässigen Alawiten und Christen darin bestärken wird, ebenfalls auf ein Ende des Assad-Regimes zu hoffen, ist kaum zu erwarten.

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Angst vor dem Lächeln

13. Juni 2014

Aus der Jungle World No.13/ 2014

Der Rückzug der USA aus dem Nahen Osten belastet das Verhältnis zu Saudi-Arabien. Mit seinen sunnitischen Verbündeten ist es gegenüber dem vom Iran angeführten schiitischen Lager ins Hintertreffen geraten. Die Saudis hoffen nun auf Barack Obamas Besuch in Riad.

Wenn man Freunde besucht, bringt man ein Geschenk mit. Gab es zuvor Unstimmigkeiten, darf es auch ein Geschenk sein, das schon lange auf der Wunschliste der Gastgeber stand. Die Saudis haben dem Vernehmen nach ihr Gastgeschenk für den anstehenden Kurzbesuch des US-Präsidenten in Riad bereits vorab zugesichert bekommen: modernes militärisches Fluggerät, vor allem aber mit Raketen bestückte Drohnen, derzeit die Traumwaffe aller Militärs. Demnächst kann Saudi-Arabien also die Kämpfer von al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP), die im Jemen sitzen, vom Computer aus in die Luft sprengen.

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Saudis vs. Katar

13. Juni 2014

Aus der Jungle World No.11/ 2014

Im Golfkooperationsrat wurde Katar für die Unterstützung der Muslimbrüder ­abgestraft. Sie gefährden den Machtanspruch Saudi-Arabiens in der Region.

In diesem Nahen Osten steckt aber auch der Wurm drin. Eine der Folgen des fatalen Rückzugs der USA aus der Region sind wachsende Konflikte der Regionalmächte untereinander, Saudi-Arabien hat dabei bereits einige empfindliche Niederlagen erlitten. Jetzt streiten selbst die Ölscheichs, auch wenn sie alle dem Golfkooperationsrat (GCC) angehören.

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Aus der Jungle World No.48/ 2013

Aus dem Aufstand gegen die syrische Diktatur ist ein komplexer Stellvertreterkrieg geworden. Der Bevölkerung steht der dritte Kriegswinter bevor.

In Beiruts Innenstadt steigen die Wohnungspreise, in Bulgarien wird eine lange Grenzmauer gebaut und die Türkei meldet sich mehrende Typhuserkrankungen, auch die Masern tauchen wieder auf. Was das alles miteinander zu tun hat? Es ist der Krieg in Syrien, der diese Vorgänge verbindet. Im ersten Fall ist der Grund die steigende Zahl der Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen, in letzteren sind es die syrischen Flüchtlinge selbst. Der Konflikt in Syrien hat sich im nun anstehenden dritten Kriegswinter erneut verschärft. Was als vermeintliche Revolution im Zuge des »arabischen Frühlings« begonnen hat, ist zur größten humanitären Katas­trophe geworden, die der Nahe Osten bisher erlebt hat.

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Aus der Jungle World No.45/ 2013

Ein historischer Kern der islamischen Überlieferung sei nicht belegt, schreibt der Historiker Tom Holland. Auch andere Wissenschaftler stellen die Gewissheiten des orthodoxen Islam in Frage, doch die Debatte wird bislang nur im Westen geführt.

Für einen hartgesottenen Salafisten irgendwo in seinem Wüstencamp müsste die Lektüre von Tom Hollands Buch »Im Schatten des Schwertes« über die Ursprünge des Islam und die arabische Expansion einem Albtraum gleichkommen. Der Koran? Vermutlich lange nach Mohammeds Tod geschrieben. Die Hadithen, die gesammelten Aussprüche Mohammeds? Ihre Ableitung von Zeitzeugen ist fiktiv, auch sie sind historisch in einer späteren Zeit zu verorten und sind damaligen politischen Gegebenheiten folgend immer wieder neu- und umgeschrieben worden. Und Mohammed? Man weiß eigentlich gar nichts über ihn – jedenfalls nach den Maßstäben kritisch-rationalen Wissenschaftsverständnisses.

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Wandel ohne Ziel

13. Juni 2014

Aus der Jungle World No.44/ 2013

(zusammen mit Thomas von der Osten-Sacken)

Die Nahostpolitik der US-Regierung ist inkonsistent und ihre Auswirkungen sind verheerend.

Auch außenpolitisch wolle er es ganz anders machen als sein Vorgänger George W. Bush, versprach US-Präsident Barack Obama bei seinem Amtsantritt 2009. Spätestens mit der zweiten Amtsperiode hat er jedenfalls im Nahen Osten sein Versprechen gehalten. Und noch mehr: Die tra­ditionellen Verbündeten werden vergrätzt, der Iran und Syriens Präsident Bashar al-Assad da­gegen gelobt und umworben. Dass diese Umkehrung der bisherigen US-amerikanischen Nahostpolitik einer konsistenten strategischen Planung folgt, ist zweifelhaft.

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Das süsse Nichtstun

13. November 2013

Aus der Jungle World No.36/ 2013

(Zusammen mit Thomas von der Osten-Sacken)

Eine militärische Intervention westlicher Staaten in Syrien zögert sich hinaus.

Die tatsächlichen Begebenheiten sind vermutlich so banal wie ein schlechter Film: Seit Monaten gab es einen kleinen Gaskrieg an für das syrische Regime besonders brenzligen Frontabschnitten. Aber so ein bisschen lokal und taktisch eingesetztes, schnell verdampftes Giftgas konnte die berüchtigte »rote Linie« des US-amerikanischen Präsidenten nicht tangieren, war doch klar, dass ­Barack Obama und in seinem Gefolge die westlichen Politiker konsequent wegsahen, um bloß nicht aktiv in den Krieg Bashar al-Assads gegen die syrischen Aufständischen eingreifen zu müssen. Den Rest des Beitrags lesen »

Zu spät und planlos

13. November 2013

Aus der Jungle World No.35/ 2013

Nach dem Angriff mit chemischen Waffen nahe Damaskus kündigen die westlichen Regierungen eine Reaktion an, wissen aber nicht, was sie tun sollen.

Eines war bereits vor dem Morgen des 21. August klar, als ein Angriff mit chemischen Waffen Hunderte, wenn nicht über 1 000 Menschen in von Rebellen gehaltenen Vororten von Damaskus tötete und zahllose weitere Einwohner verletzte: Der Konflikt in Syrien hat katastrophale Ausmaße. 100 000 Tote, Millionen Flüchtlinge, ein zerstörtes Land sowie die Destabilisierung der Re­gion sind noch nicht das Ende. Den Rest des Beitrags lesen »

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